Naturgarten - Garten als Lebensraum

Gärten haben ein riesiges Potential! Sie machen einen großen Anteil der genutzten Flächen in Deutschland aus, und dennoch wird ihre Bedeutung für die Artenvielfalt bisher unterschätzt. Auf diesen Flächen kann jeder einzelne einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten. Gärten sind Lebensräume und wichtige Trittsteine in unserer fragmentierten Landschaft  – oder könnten es zumindest mit ein bisschen Willen sein. Gleichzeitig macht ein lebendiger Garten in all seiner Fülle und Lebensvielfalt große Freude. Er wird zu einer Oase für die Sinne, zu einer Insel der Ruhe und Kraft, ein Ort des Lebens, Lebensraum im tiefen Wortsinne.

Der Arbeitskreis Naturgarten möchte Gärten in Lebensräume verwandeln. Jeder Garten hat eine spezielle Geschichte und seine ganz eigenen Besonderheiten, die auch immer eng mit den jeweiligen Besitzern zusammenhängen. Den einen perfekten Naturgarten gibt es nicht. Es gilt: Es lebe die Vielfalt! Unter diesem Motto finden Treffen des AK Naturgarten auch nicht nur im Margarete-Meyer-Haus in Winkelhaid statt. Wer möchte, lädt in seinen Garten ein, wo bei einem regen Austausch über Erfahrungen und Beobachtungen Wissen und Tipps weitergegeben werden und man sich so manche Inspiration für den eigenen Garten holen kann – ganz direkt von NaturgärtnerInnen zu NaturgärtnerInnen.

Der Arbeitskreis Naturgarten möchte NaturgärtnerInnen und GärtnerInnen, die mehr Natur in ihren Garten lassen möchten, zusammenbringen und so einen Austausch von Erfahrungen, Beobachtungen und Ideen ermöglichen. Wir organisieren Themenabende, Vorträge und Filmabende rund um das Thema Naturgarten sowie Exkursionen zu anderen Lebensraum- und Artenvielfaltsorten. Geplant ist außerdem, in der Öffentlichkeit immer wieder auf das Thema „Mehr Natur im Garten“ aufmerksam zu machen, wie mit regelmäßigen Artikeln in unserer Mitgliederzeitung, dem Distelfink, oder einem kleinen Stand auf Samen- und Pflanzentauschbörsen. Der AK Naturgarten unterstützt auch bei anfallenden Arbeiten im Garten des Margarete-Meyer-Hauses in Winkelhaid.

 

Wer Lust hat, sich einzubringen, ist herzlich willkommen! Wer eine Projektidee mitbringt, stößt auf offene Ohren! Die Treffen sind öffentlich, jeder kann gerne jederzeit dazu kommen. Oder interessieren Sie sich einfach nur für einen ganz bestimmten Themenabend? Haben Sie keine Scheu, Sie sind herzlich eingeladen! 
Alle Termine werden auf der Internetseite veröffentlicht. Oder auch einfach kurz Kontakt aufnehmen zu Sabine Ratzel (Koordinatorin) unter sabineratzel@gmx.net.


Naturgartenserie in der Hersbrucker Zeitung

Pflanz' dein eigenes Paradies
Unter dieser Überschrift veröffentlicht die Hersbrucker Zeitung von Frühjahr bis Herbst 2019 im zweiwöchentlichen Rhythmus Beiträge von uns zum Thema naturnaher Garten. Wir zeigen, wie jeder aus seinem Garten ein kleines Naturparadies machen und so seinen eigenen Beitrag zur Artenvielfalt leisten kann. Hier gelangen Sie zu den einzelnen Beiträgen:

Herzgespann und Beinwell
Kornelkirsche statt Forsythie
Blutstorchschnabel und Blutweiderich
Tischlein deck dich für Amsel, Stieglitz & Co
Hilfe bei der Wohnungssuche für Meise, Kleiber und Co
Grün statt grau
Kleiner Helfer mit großer Wirkung
Reiches Büfett für Wildbienen
Zeit für die Zweijährigen
Kompost
Wilde Karde
Blindschleiche
Lebensraum Obstbaum
Zwiebel- und Knollenpflanzen
Letzte Tomatenernte und Laubfall
Weniger aufräumen - Mehr Leben im Garten
Gebt den Igeln eine Heimat!
Vom Naturgarten zum Natur-Erlebnisgarten



Lieblingsecken im Garten

Die im Folgenden veröffentlichten Texte und Bilder sind Einsendungen von Gartenbesitzern aus dem Landkreis Nürnberger Land.

 

 

 

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Lieblingsblumen 
Die kleinen gelben Mohnblumen (Islandmohn?) wachsen bei mir überall, wo es ihnen gefällt. Meine größte Freude war, dass ich wieder Raupen vom Schwalbenschwanz - Schmetterling entdeckt habe (8 Stück), für die ich extra Knollenfenchel angebaut habe. Ich hoffe, sie kommen alle durch. Die wunderschöne lila-blaue Winde ist sehr pflegeleicht.

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Jahreszeitliche Blühabfolge eines Blumenbeets
Meine Lieblingsstelle liegt gleich neben dem Haus. Hier hat sich eine ziemlich stabile Gemeinschaft von Pflanzen entwickelt, die vom Frühjahr bis in den Sommer hinein immer wieder Blütenhöhepunkte zeigt. Im März beginnt das Blütenjahr mit einem Meer von hohen Schlüsselblumen. Viele gelbe Glöckchen, zwischen denen einzelne Exemplare des festen Lerchensporns auftauchen, schaukeln dann im Frühlingswind. Etwa fünf Wochen später haben die Akeleien das Zepter übernommen, eine bunte Mischung  vom üblichen lila der Wildform über rot, rosa bis weiß, dazwischen auch die dunklen Töne der schwarzvioletten Akelei. Der Blutstorchschnabel hat schon stattliche Polster mit seinen filigran gefingerten Blättern hervorgebracht und steht  in den Startlöchern. Die Schlüsselblumen darunter sind kaum noch zu sehen. Gut beschattet überstehen sie auf diese Weise den Sommer, um im nächsten Frühjahr in noch größerer Anzahl wieder in Erscheinung zu treten. Etwa zwei Wochen nach den Akeleien kommt die große Zeit des Blutstorchschnabels, wenn seine Polster übersät sind mit den rosa Blüten. Bei rechtzeitigem Rückschnitt schiebt er den ganzen Sommer hindurch immer wieder neue Blüten nach. Auch danach blüht es an dieser Stelle immer wieder, zwar nicht mehr ganz so üppig, aber Kronlichtnelken, die sich selbst ausgesät haben und Phlox, der auch bei den Schmetterlingen sehr beliebt ist, bieten immer wieder bezaubernde Farbtupfer.

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Auch in trockenen Sommern grünt und blüht die Wiese im Naturgarten lange, auf dem Nachbargrundstück hinter dem Zaun ist der kurz gemähte Rasen bereits verbrannt.

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Wunderbare Krokusteppiche und wertvolle erste Bienennahrung erreicht man mit dem Stecken von Arten, die sich selbst durch Aussaat oder Brutknollen vermehren, z.B. dem Elfenkrokus (crocus tommasianus).

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Über das Mohnblumenensemble an der Hausecke freue nicht nur ich mich, sondern auch unsere Gäste: Menschen und Insekten!

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Kaum hat die Sonne die ersten Lücken im Schnee freigelegt, erscheinen die gelben Köpfchen der Winterlinge. Lässt man sie gewähren, bilden sie durch Samen- und Knollenvermehrung Hundertschaften von Pflanzen und laden im zeitigen Frühjahr Insekten ein, an ihnen zu naschen. Bienen müssen sich zwar mit den Pollen begnügen, aber Hummeln mit ihrem längeren Rüssel können sich auch am Nektar gütlich tun.

Mir verkünden sie: Jetzt steht der Frühling vor der Tür. 

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Vor zwei Jahren setzte ich drei Natternkopfpflanzen an den Rand des Kiesweges, nachdem ich erkannt hatte, dass er das Nährstoffarme liebt, und hoffte er möge aussamen. Tatsächlich entstand letztes Jahr ein Band grüner Rosetten, die sich prächtig entwickelten und in diesem Jahr eine Rabatte herrlicher Pflanzen mit bis zu 20 Blütenstengeln bilden. Jeden Tag bewundere ich die immer höher werdenden Kerzen mit ihren sich von rosa nach blau verfärbenden Blüten. Bienen und Hummeln bewundern sie nicht nur, sie haben sie zum " Fressen" gern.


Schöne und interessante Beobachtungen

Die im Folgenden veröffentlichten Texte und Bilder sind Einsendungen von Gartenbesitzern aus dem Landkreis Nürnberger Land.


Endlich habe ich wieder einmal einen Schwalbenschwanz im Garten entdeckt! Jahrelang erschien er regelmäßig zur Phloxblüte, war aber in letzter Zeit ausgeblieben.

Gartentipp: Wenn der Schwalbenschwanz regelmäßig im Garten auftaucht, lohnt es sich, Raupenfutterpflanzen zu pflanzen, zum Beispiel Wilde Möhre, Kleine Bibernell, Echter Fenchel, Pastinak oder Weinraute.

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Fressen und gefressen werden
Unterwegs durch den Garten zu meiner Mutter stieß ich auf diese Szene. Angesichts der Größe des Tigerschnegels war mir nicht sofort klar, wer wen frisst. Es ist natürlich die Blindschleiche, die hier einen für sie sehr großen Bissen in Angriff genommen hat. Letzten Endes war der Schnegel doch zu groß und die Blindschleiche hat von ihm abgelassen. Übrigens sind Schnegel wertvolle Nützlinge im Garten - sie ernähren sich u.a. von Eiern der Nacktschnecken. 

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Beobachtungen an der Nickenden Distel
Die Holzbiene besucht regelmäßig das Distelrestaurant und verschwindet dann blitzschnell wieder. Es ist stets Zufall, wenn wir sie sehen und diesmal gelang endlich wieder ein Photo!! Mein Mann hat sie entdeckt und ich bin gleich mit der Kamera losgerannt. Die Tierchen sind sehr unruhig und bleiben fast nie richtig sitzen. Der Kleine Fuchs ist ebenfalls Stammgast bei den Blüten der Nickenden Distel.

Taubenschwänzchen, ein tagaktiver Nachtfalter, der wie ein Kolibri mit schwirrenden Flügeln vor den Blüten steht, um zu trinken. Wer es in den Garten zu sich einladen will, der pflanze Labkrautarten für die Raupen wie Echtes Labkraut (Galium verum) oder Gemeines Labkraut (Galium album) sowie nektarreiche Stauden für den Falter wie nickende Distel, Natternkopf und Heilziest.

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Und nochmal Schwalbenschwanz
Nach längerem Umherflattern kreuz und quer durch unseren Garten (und wir mit Foto immer hinterher!) hat sich der Schwalbenschwanz doch mal kurz auf der Buddleia zum Fotografieren niedergelassen. Erwischt!

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Bei einem geplanten Überraschungsbesuch bei Freunden traf ich diese leider nicht an. Dafür wurde ich überrascht - nämlich von diesem jungen Eichelhäher, der direkt am Zugang zum Haus in meiner Augenhöhe saß und mich genauso überrascht anschaute. Gut, dass er vom Naturgartendschungel umgeben war - so hat er mich offensichtlich nicht als Gefahr empfunden und ich konnte in Ruhe meinen Schnappschuss machen. 

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Igelkarussell - das Männchen umkreist in der Paarungszeit das abwehrend grunzende, genervte Weibchen stundenlang.

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Pollen und Nektar in Fülle für Insekten und praktisch 100%-ige Garantie, dass der wunderschöne Distelfink erscheint, um sich anschließend die Samen zu holen. Wilde Karde, Wegwarte und im Hintergrund nickende Distel. Eine Lieblingsbeobachtungsecke im Garten!

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Ein Amselnest im Haselstrauch. Leider war es etwas ungeschützt, eine Elster entdeckte es. Ein Junges starb, aber mindestens eins war schon flügge genug und konnte flüchten. Noch eine ganze zeitlang traf ich es immer wieder, mal ohne Mutter und mal mit Mutter bei der Fütterung: im Gemüsebeet, beim Kompost, am Holzstoß, vor dem Gartenschuppen...

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Fast wäre ich darüber gestolpert: Das Drosseljunge saß erstarrt und regungslos vor mir im Gras, und hoffte, dass ich es nicht sehe...

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Feldsperlingsbrut unter´m Carport. Es hat ein bißchen gedauert, bis sie sich an uns gewöhnt hatten, aber dann war es kein Problem mehr, wenn wir uns unter dem Carport aufhielten. Sie fütterten trotzdem.

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Ein Rotschwänzchenjunges übernachtete auf den Lamellen unseres Rollos. Total süß, wir haben den ganzen Abend kein Licht angemacht, um es nicht zu verscheuchen. Am sehr frühen Morgen war es immer noch da, erst nach Sonnenaufgang war es dann weg.

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Nachwuchs bei den Staren
Unermüdlich sind die Stareneltern auf Futtersuche.  Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang stopfen sie alle paar Minuten Raupen und ausgewachsene Insekten, wie Käfer und Fliegen, in die hungrig aufgesperrten Schnäbel. Und dann, von einem Tag auf den anderen, gibt´s plötzlich nichts mehr. Stattdessen sitzen die Eltern in den Ästen der umliegenden Bäume und rufen ihre Jungen. Sie sind nun alt genug und sollen flügge werden. Wer Hunger hat, kriegt erst was, wenn er den Kasten verlassen hat!