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Pilze – das Reich der Fadenwesen

Der Baumsachverständige und Artenschutzgutachter Stephan Joecke ist Dozent an der Nürnberger Schule GmbH, einem führenden deutschen Weiterbildungszentrum für Baumpflege, Industrieklettern und Ökologie in Altdorf. Er gilt als ausgewiesener Experte für die „Ökologie des natürlichen Holzabbaus“ und die Entstehung von Baumkomplexkrankheiten, die durch das Zusammenspiel von Viren, Bakterien, Pilzen und Schadinsekten entstehen. Er führt uns an diesem Abend in die Welt der baumbewohnenden und holzzersetzenden Pilze und ihre Zersetzungsstrategien ein.

23.09.2026 18:30 - 21:30

Prackenfels Nürnberger Schule

Wenn man eine Einladung zum Pilzesammeln erhält, dann denken die meisten an die „Gift- und Speisepilz-Thematik“, also an die in etwa 300 Arten die als Speisepilze oder giftige Verwechslerarten für die Küche von Bedeutung sind. Dabei ist die Welt der Pilze viel größer. In Deutschland gibt es schätzungsweise bis 20.000 verschiedene Arten. Die genauen Zahlen sind schwer zu fassen, da viele mikroskopisch kleine Arten (Mikropilze) noch unzureichend erforscht sind oder noch keinen wissenschaftlichen Namen erhalten haben.

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie verwaltet auf ihrem Portal Informationen und Verbreitungsdaten zu mehr als 14.500 heimischen Pilzarten. Davon enthält die Checkliste der Großpilze Deutschlands 9.259 Arten. Das sind Pilze, deren Fruchtkörper mit dem bloßen Auge gut erkennbar sind. Als gängiger Mindestwert gilt dabei meist eine Größe von 5 Millimetern. Aber das sind nur die Fruchtkörper, die der Produktion von Sporen zwecks generativer Vermehrung dienen.

Der eigentliche Pilz ist viel größer, er umfasst die Gesamtheit all seiner Hyphen. Sie durchziehen das Substrat, den Erdboden, den abgestorbenen Ast, einen Dunghaufen oder umspinnen als Mykorrhiza-Pilze die Wurzeln der meisten Landpflanzen.

Sie sind immer auf der Suche nach Zuckerstoffen, die sie in aufgelöster Form aus der Umgebung aufnehmen und die sie genauso wie Pflanzen und Tiere in Verbindung mit Sauerstoff für ihren Stoffwechsel benötigen.

Dabei haben sie 3 verschiedene Strategien entwickelt, um an diese Zuckerstoffe zu gelangen.

Die einen gelten als Kooperative, die in einer Symbiose mit z.B. Pflanzenwurzeln stehen.

Die nächsten sind Zersetzer, die als Saprobionten abgestorbenes pflanzliches oder tierisches Material zersetzen.

Als letztes sind die Egoisten zu nennen, die als Parasiten sich von Nährstoffen eines lebenden Wirtes ernähren.

Von ihnen sind einige als baumbewohnende und holzzersetzende Pilze an dem Absterben oder Kränkeln von einzelnen Bäumen wie auch ganzen Waldbeständen beteiligt.