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Drohende Baumfällungen in Hersbruck

Es ist ein Skandal! Der Hersbrucker Bauausschuss hat mehrheitlich die Fällung von sechs Alteichen in der Leutenbachstraße beschlossen, weil eine Firma für den geplanten Neubau einer Produktionshalle Beeinträchtigungen befürchtet.

24.08.2021

Und obwohl das Stadtbauamt die Meinung der Firma nicht teilt, gab es diesen unfassbaren Beschluss. Dieser gilt noch unter Vorbehalt, weil zunächst ein weiteres Gutachten prüfen soll, ob die Eichen wirklich zu Schäden am Gebäude führen könnten. Es ist im Bauausschuss eine völlig falsche Frage diskutiert worden. Es hätte nicht zwischen Arbeitsplätzen und Bäumen entschieden werden dürfen. Die Stadt darf sich nicht von einer Firma in dieser Weise erpressen lassen. Es hätte überlegt werden müssen, wie die Bäume zu schützen sind und nicht unter dem Neubau der Produktionshalle leiden, wie bei manch anderer Baustelle. Die Stadträte und Stadträtinnen, die quasi das Todesurteil für die Bäume gefällt haben, sind sich offensichtlich nicht der Bedeutung von alten Bäumen bewusst. Überall werden in den Kommunen größte Anstrengungen unternommen, um Bäume zu erhalten und neue zu pflanzen. Aber in Hersbruck erleben wir es anders.

Neben diesem aktuellen Fall gab es in jüngster Vergangenheit andere unverständliche Baumfällungen. Bei der Sanierung eines Gebäudes in der Innenstadt wurden Platanen gefällt, weil diese laut Zeitungsbericht zu sehr harzen und es am Weg glatt wird. Dabei ist die Platane ein üblicher Stadtbaum und im Biergarten am unteren Markt sitzt man herrlich unter großen Platanen. Nun wurden als ersatz zwar zwei neue Bäume gepflanzt, aber die Baumscheiben sind gar nicht baumfreundlich, sondern wurden autofreundlich mit Schotter aufgefüllt. Oder auch die Fällung von mächtigen alten Eichen für den Neubau des AOK-Bildungszentrums. Diese und die Eichenreihe in der Leutenbachstraße sind neben einigen wenigen anderen, z.T. einzeln stehenden Eichen des ehemaligen „Eichenhains“ letzte Zeugen unserer kulturhistorisch bedeutsamen Hirtenkultur im Hersbrucker Stadtgebiet. Die betreffenden Eichen und der früher unmittelbar angrenzende Weiher waren Teile des früheren Hutangers von Hersbruck. Es handelte sich um den Triebweg zum „Großen Anger“ (= Eichenhain), der 1948 vom damaligen Landrat Roiger als Schutzgebiet ausgewiesen wurde. Der „Große Anger“ wurde in den 1970er Jahren dem Industriegebiet geopfert. 
Hutanger sind das wichtigste Natur- und Kulturerbe der Hersbrucker Alb. Diese einst typischen Landschaftsteile sind vielfach aus der Landschaft und den Ortsbildern verschwunden und es erinnern heute nur noch Straßennamen an sie, wie z.B. „Am Hutanger“ oder „Eichenhainstraße“. Im Hersbrucker Stadtgebiet gibt es keinen Hutanger mehr (nur in den eingemeindeten Ortsteilen). Letzte Reste müssen also unbedingt bewahrt werden. Einen ersten Schritt ging die Stadt Hersbruck, indem der Gehsteig vor einiger Zeit im Bereich der Bäume in der Leutenbachstraße stellenweise verlegt wurde, um den Alteichen bessere Wuchsbedingungen zu verschaffen.

Sowohl die hervorragende Schönheit als auch die ökologische und insbesondere die kulturhistorische Bedeutung dieser Baumreihe rechtfertigen unseres Erachtens eine Unterschutzstellung. Die Erhaltung der Baumreihe liegt auch im öffentlichen Interesse. Wir haben deshalb bei der Unteren Naturschutzbehörde einen Antrag zur Ausweisung als Naturdenkmal gestellt. Der Schutz der Bäume wäre eigentlich durch die Baumschutzverordnung der Stadt Hersbruck gewährleistet. Aber mit der Entscheidung des Bauausschusses könnte die Stadt sich selbst eine Ausnahme genehmigen. 

In der Hersbrucker Zeitung sind am 04.09.21 ein Interview mit Hersbrucks Bürgermeister und ein weiteres mit der BN-Ortsvorsitzenden Heide Frobel zum Thema veröffentlicht worden. Hier können Sie den Beitrag lesen.

Am 10. September fand in der Leutenbachstraße unter den Eichen eine Protestaktion statt, bei der u.a. der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner gesprochen hat. Bericht hier. 

Wir wollen mit allen Mitteln und Möglichkeiten versuchen, die Fällung zu verhindern. Über weitere Aktivitäten werden wir informieren. Jede(r) Baumfreund(in) kann aber auch selbst etwas tun, z.B.
- Leserbrief an die Hersbrucker Zeitung
- Brief an den Hersbrucker Bürgermeister
- Infos und Proteste über soziale Netzwerke weitergeben
- Schulklassen-Projekte: Beschäftigung mit der vielfältigen Bedeutung von Bäumen in Städten