Bäume sind gefallen - Radweg mit zu hohem Tribut

Die Bäume an der Straße nach Diepersdorf sind gefallen. Trotz der Einwände der Bevölkerung wurden 14 Biotopbäume gefällt. Im Laufe des Winters folgen weitere 70 Bäume, viele über 200 Jahre alt.

04.11.2019

Seit der BUND Naturschutz vor zwei Wochen über Umwege von dem geplanten
Radwegverlauf erfahren hat, beschäftigen wir uns ausgiebig damit. Das
beinhaltet Telefonate und E-Mail Verkehr mit der unteren
Naturschutzbehörde, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forst, den
Bayerischen Staatsforsten und auch dem Auftraggeber und
Entscheidungsinhaber, dem staatlichen Bauamt Nürnberg. Abgesehen von
letzterem, haben wir überall ähnliche Rückmeldung bekommen. Keiner will
den Radweg so wie er nun entsteht, aber es hat auch keiner die
rechtliche Grundlage etwas dagegen zu tun. Ähnlich sieht es in der
Politik aus, die Stadt- und Gemeinderäte wurden zwar nach ihrer Meinung
gefragt, diese wurde aber offensichtlich nicht berücksichtigt. Da wir
jemanden kennen der jemanden kennt, haben wir erfahren dass nun am
31.10. die Bäume gefällt werden sollen. Daraufhin sind wir als
Ortsgruppe Röthenbach, begleitet von Wolfgang Gottschalk (2.
Bürgermeister), an dem Tag zu den Bäumen gelaufen um ein Protestpicknick
zu veranstalten. Empfangen wurden wir von der Polizei, die an beiden
Enden der Straße bereitstand. Nachdem wir auf Nachfrage geantwortet
haben ein Picknick zu machen, wurden unsere Personalien aufgenommen
(danke Polizeiaufgabengesetz) und wir wurden gebeten uns möglichst weit
entfernt aufzuhalten. Wohlgemerkt war keinerlei Absperrung oder Hinweis
im Wald zu finden, nicht einmal auf den Wegen. Zu Baumfällungen wollte
die Polizei zunächst keine Auskunft geben, später hatten wir jedoch die
Möglichkeit mit der vor Ort zuständigen Frau vom staatlichen Bauamt zu
reden. Diese hat darauf aufmerksam gemacht, dass Alternativen diskutiert
wurden, aber letztendlich nach der Waldfläche und nicht der Qualität
geurteilt wird. Dass die abgeholzte Fläche nun an anderer Stelle
aufgeforstet wird ist bei dem Verlust so alter Bäumen kein Trost.
Natürlich ist der Ausbau des Radweges von erheblicher Bedeutung, meiner
Meinung nach wäre der Radweg jedoch auf der anderen Straßenseite
sinnvoller, auch wenn eine Unterführung etwas mehr Geld gekostet hätte.
Alternativ wäre ein Tempolimit für Autos an dieser sowieso viel zu
gefährlichen Stelle in Kombination mit einer Verkehrsinsel als
Überquerungsmöglichkeit sinnvoll gewesen. Der Radweg soll in Diepersdorf
ohnehin auf der Wiesenseite weiterlaufen.

Es kann nicht sein, dass 14 Biotopbäume, teilweise 200 Jahre alt,
gefällt werden, nur weil bei der Alternative mehr Waldfläche verloren
geht. Es wurden schon ganze Bauvorhaben wegen nur einem solchen Baum
gestoppt. Außerdem ist es ein Skandal, dass das staatliche Bauamt
Nürnberg hier über sämtliche Politiker und Vertreter der Gesellschaft
hinweg entscheiden kann. Dass jetzt so kurzfristig vor der
Fledermaus-Schutzzeit noch schnell die ältesten Bäume gefällt werden,
zeigt dass das Bauamt die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen stellen
will. Dass sich bei mehreren hundert Jahre alten Bäumen nicht wenigstens
ein paar Wochen Zeit zu nehmen um die Bevölkerung miteinzubeziehen ist
einfach nur traurig.

Katharina Angermeier, Vorsitzende Ortsgruppe Röthenbach