Ausstellung "Tatort Garten - Ödnis oder Oase?"

Die BN-Ortsgruppe Hersbrucker Land hat im Januar 2018 zusammen mit dem Runden Tisch "Hersbrucks Zukunft mitgestalten" die Ausstellung in der Hersbrucker Sparkasse gezeigt. Erstellt wurde sie von der BN-Kreisgruppe Landshut. In großformatigen Bildern werden üppig blühende Naturgärten mit Wildnis, Farbenpracht und Gartenleben gezeigt. Dem gegenüber stehen Bilder von grauen Pflaster-, Beton- und Schotterflächen mit kargem Grün. Diese Bild-Kontraste sollen zum Nachdenken anregen. Und es wird deutlich gemacht, welchen Wert naturnahe Gärten und auch öffentliches Grün als Oasen in unserer verbauten Landschaft und den stark versiegelten Ortschaften haben.

23.01.2018

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier. 

Vortrag: Lebensraum Garten - für Mensch, Tier und Pflanze

Warum eigentlich sollte man im eigenen Garten Biotope anlegen, wo doch minimalistische, vermeintlich pflegeleichte Kiesgärten derzeit „in“ sind? Was bringen Gartenteich und Trockenmauer, Streuobstwiese, Bauerngarten und Gebüsche? Auf diese Fragestellungen ging die Landschaftsarchitektin Helga Briemle aus Behringersdorf in Ihrem Vortrag ausführlich ein. Die Veranstaltung wurde parallel zur Ausstellung organisiert.

Zu Beginn ihrer Ausführungen verdeutlichte Helga Briemle die nicht unerhebliche Bedeutung von Gärten. Laut Umfragen ist das Gärtnern nach dem Entspannen zu Hause die zweitliebste Freizeitbeschäftigung. So gibt es in Deutschland 17 Millionen Hausgärten. Jeder zweite Privathaushalt nennt solch ein Freizeitparadies sein eigen. Diese Gärten bedecken eine Fläche von etwa 7000 Quadrat-Kilometer, das entspricht knapp 2 % der Landesfläche. Dabei reichen die privaten Grünflächen bis in die dichtesten Ballungsräume. Sie bilden ein riesiges Netz ökologischer Zellen, wo Pflanzen und Tiere neue Lebensräume finden, wo Obst und Gemüse nach biologischen Grundsätzen angebaut werden kann und jeder Gartenbesitzer auch in der Stadt die Möglichkeit hat, Kontakt zur Natur zu finden. So verwundert es kaum, dass die Artenvielfalt in Städten wie München, Köln oder Berlin nach Untersuchungen von Prof. Reicholf um bis zu 20 % größer ist als im jeweiligen Umland. Das trifft umso mehr zu, je reicher öffentliche Grünflächen und private Gärten an naturnahen Lebensräumen gestaltet werden.

Dass sich dies auf vielerlei Weise erreichen lässt, schilderte Helga Briemle an einigen konkrete Beispielen und zeigte dabei faszinierende Bilder. Eine abwechslungsreiche Geländegestaltung lässt eine Landschaft im Kleinen entstehen mit sonnig-warmen Südhängen und schattig-kühlen Nordlagen. Ein Hang ist optimal nutzbar, wenn man ihn terrassiert. Dazu wählt man am besten Trockenmauern voller Ritzen und Hohlräumen, denn sie sind Schlupfwinkel für Käfer und Spinnen, Eidechsen und Spitzmäuse. Auch manchen Vögeln bieten sie Nischen für ein Nest.

Ob Vogeltränke oder Quellstein, Brunnen, Schöpfbecken oder Teich - Wasser belebt den Garten in jeder Hinsicht und ist seit jeher ein beliebtes Gestaltungselement. Im Gartenteich finden attraktive und manchmal auch selten gewordene Pflanzen eine neue Heimat und ganz von selbst stellt sich hier eine vielfältige Fauna ein, die den aufmerksamen Beobachter staunen lässt.

Die Gartenfläche, auf der Kinder herumtoben, muss kein englischer Rasen sein. Auch ein Blumenrasen erfüllt diesen Zweck. Wiesenstreifen und kräuterreiche Gehölzsäume bieten den Insekten Blüten und Nektar, sowie zahlreichen Schmetterlingsraupen die lebensnotwenigen Futterpflanzen. Vieles lässt sich hier erforschen und beobachten. Und im Herbst muss man nicht alles sauber zurückschneiden. In Samenständen, die über Winter stehen bleiben, finden Vögel Nahrung, wenn sonst alles mit Schnee bedeckt ist. Zudem sind hohle Stängel Überwinterungsplätze für etliche Insekten bzw. deren Entwicklungsstadien.

Auch im Nutzgarten sollten die Gesetze der Natur beachtet werden. Das bedeutet, dass die Bodenfruchtbarkeit durch Humuswirtschaft wie Kompostierung, Mulchbedeckung und Gründüngung erhalten und sogar verbessert wird. Das ist die Grundlage guter Erträge. Zum biologischen Gartenbau zählen weiterhin guter Fruchtwechsel, der Anbau in Form von Mischkulturen, die Auswahl robuster, möglichst resistenter Sorten und nicht zuletzt die Förderung der „Nützlinge“, wodurch Pflanzenschutzmittel weitgehend entbehrlich sind.

Hecken umschließen den Garten, bieten Sichtschutz und Geborgenheit. Bäume spenden uns Schatten, Obstgehölze bieten uns zudem leckere Früchte. Am Gebäude oder an der Pergola ranken Kletterpflanzen in die Höhe. In all diesen Gehölzen finden Vögel Nistgelegenheit und Nahrung. Wichtig ist dabei, dass überwiegend heimische, dem Standort entsprechende Arten ausgewählt werden. Mit morschem Altholz, einem Reisighaufen und der Laubdecke in der Hecke lässt sich das Angebot an Schlupfwinkeln und Winterquartieren für die Tiere des Gartens noch erhöhen.

Am Ende dieses faszinierenden Bilderrundgangs durch den Garten und durch die Jahreszeiten muss auch dem letzten Zweifler klar geworden sein, dass das eigentliche Kulturland Garten sehr gut ein Biotopgarten sein kann und dabei Mensch, Tier und Pflanze sehr viel voneinander profitieren können. BN-Kreisvorsitzende Heide Frobel dankte der Referentin für die vielen wertvollen Tipps, von denen sicherlich jeder der Zuhörer für sich und seinen Garten etwas mitnehmen konnte, egal wie dieser aktuell gestaltet ist.